Unterwegs in Deutschland
Wanderritt zum Edersee
Wanderritt durch die Rhön
Wanderritt durch Mittelhessen
Wanderritt in den Spessart
Wanderritt durch den Odenwald

Deutschlandkarte

und wie es nach der grossen Reise weiterging:

Ein paar Tage war er dann noch in dem Stall in meinem Ort und ich erkundete die nähere Umgebung und den schönsten Weg zum neuen Stall. Als dann der Umzugstag kam, ritt ich dan auch wieder los (immer noch in Ermangelung eines Pferdehängers). Die Sonne schien und wohlgemut machte ich mich auf den Weg, aber nicht auf den, den ich schon kannte. So kam es, daß ich dann auf einen schmalen Trampelpfad am Berghang geriet, weil ich nicht unten auf der Straße reiten mochte. Natürlich war es ein reiner Wanderweg, aber es war morgens in der Woche, es würde mir schon niemand begegnen. Das war auch so, aber da war diese Holzbrücke über einen breiten Graben. Rechts steil bergan, links steil bergab, vor uns die nasse Hozbrücke mit einem wackligen Geländer - und in der Mitte fehlte ein Brett. Natürlich hätte ich den km zurück reiten können. So betrachtete ich aber die Brücke, beschloß daß der Taboun das wohl ohne Schwierigkeiten schaffen würde und ritt los. Der Brave ging auch artig auf die Brücke, schritt über die Lücke und rutschte dann auf dem nassen glatten Holz mit dem Hinterbein weg und in das Loch. Beim Versuch wieder rauszukommen, brach er mit den Vorderbeinen auch noch durch und dann standen wir da. Das Pferd: mit Vorder UND Hinterbeinen jeweils im Loch, unterm Bauch die noch ganzen Bretter. Ich oben drauf, meine linke Hand auf dem Oberschenkel von dem Geländer (unter das wir ein bißchen gerutscht waren) eingeklemmt. Ich konnte mich nicht rühren. So standen wir da und ich war völlig geplättet. Wie sollten wir hier jemals wieder rauskommen? Taboun wartete einfach, was ich jetzt tun würde. Mit der rechten Hand konnte ich dann irgendwann das blöde Geländer abreißen und erst einmal absteigen. Aber der Taboun? Zum Glück stand er mit allen vier Beinen auf dem Boden und so munterte ich ihn einfach auf, herauszuspringen. Mit viel Getöse tat er das dann auch, von der Brücke ist nicht so sehr viel übriggeblieben.
Wieder einmal traute ich mich nicht, mein armes Pferdchen genau zu betrachten und führte ihn erst mal ein Stück, bis wir beide genug Platz hatten. Eigentlich hatte ich erwartet, daß er sich die Beine aufgerissen hätte aber er hatte NICHTS! Nicht die kleinste Schramme, das einzige was passiert war: ich hatte mir das Handgelenk ausgerenkt und ganz weiche Knie. Das war das letzte Mal, daß mein Pferd ohne geduldiges Zureden auf eine Brücke gegangen ist. Er hat das nie vergessen. Der restliche Weg verlief dann aber zum Glück ohne weitere Probleme und wir kamen dann gut im neuen Stall an. Jetzt durfte er erst einmal alles genau besichtigen, vor allem die Reithalle fand er arg nett, weil man sich da ja so schön gemütlich wälzen kann. Das tat er dann ausgiebig und schaffte es dann, sich in der zwar kleinen, aber immerhin Reithalle festzulegen. Da stand ich nun schon wieder und mußte ihm mit meinem ausgerenkten Handgelenk wieder auf die Beine helfen. Na, das war ja ein wirklich guter Einstieg im neuen Stall. Die ersten zwei Wochen durfte er noch nicht mit der gemischten Herde auf die Koppel - von wegen goldener Sprung - aber ich war ja jeden Tag da und ritt. Oder versuchte es zumindest. Arbeiten gehen mußte ich jetzt ja auch wieder und ich muß sagen, ich war froh darüber. Dieses halbe Jahr hatte genau den Effekt gehabt, den ich erzielen wollte. Ich ging wieder gern in mein langweiliges Labor, zu den gleichen langweiligen Leuten mit den gleichen langweiligen Geschichten. Wie gut, daß es das alles gab! Und mein Leben war jetzt völlig anders.

Nach der Arbeit zum Stall, Pferd putzen satteln und solange das Wetter gut war, raus in den Wald. Oft stand der Stallbesitzer vor der Tür und machte sich Sorgen um uns weil ich erst nach Einbruch der Dunkelheit zurück war. Aber um eines brauchte und brauche ich mir nie Sorgen zu machen: Taboun findet immer nach Hause. Innerhalb kürzester Zeit hat er den totalen Überblick und er weiß immer den schnellsten Weg heim. Er wird immer ganz empört wenn er der Meinung ist, daß wir schon auf dem Heimweg sind und ich will doch noch mal woanders hin. Dann gibt es schon mal Streit. Den Blick solltet Ihr dann mal sehen. Er ist völlig überzeugt davon, daß ich sowieso keine Ahnung habe wo es lang geht. Also guckt er mich an und telepathiert mir: das ist falsch! Aber er geht, wenn ich drauf bestehe. Ich kann durch den Sattel spüren daß er denkt: die ist so dooooof, hier geht es gar nicht heim. Ganz im Ernst, schlaue Pferde können ganz schön ätzend sein!

Nach den ersten zwei Wochen Eingwöhnung in den Stall, durfte Taboun dann endlich in die große Herde. Dank des riesigen Auslaufs passierte nichts, er konnte den großen Pferden leicht ausweichen. Und dann war da noch die Perlfee: selbst nicht viel größer als Taboun und relativ rangnieder, fand sie ihn sofort sympathisch und schirmte ihn gegen Angriffe ab. Die nächsten Tage sah man sie nur als Zwillingspärchen über die Koppel gehen. Dank der kleinen Reithalle konnten wir dann auch an den schon dunklen Abenden etwas tun. Und es gab viel zu tun! Longieren ließ er sich ja sowieso ganz gut, das machte keine Probleme. Aber reiten in der Halle! Schritt und Trab ging ja noch. Aber das galoppieren, das zerrte doch sehr an meinen Nerven. Er konnte ja gar nicht langsam galoppieren. Also sauste er in einer irren Geschwindigkeit durch die Halle, daß ich mehr als einmal dachte, daß ich unangespitzt durch das Fenster ins Reiterstübchen fliegen würde. Wie ein Motorrad legte er sich in die Kurve, merkte, daß das alles nicht so gut funktionierte und gab vor lauter Streß noch mehr Gas. Zügelhilfen kannte er auch nicht, er riß immer gleich den Kopf hoch und drückte den Rücken weg - also das reine Vergnügen!
Zu meinem Glück gab es die Dagmar. Sie hat selber einen Araberhengst der sehr gut geritten ist und war mit dieser Problematik sehr vertraut. Aber trotz aller Mühe kamen wir in diesem Winter nicht besonders viel weiter und so langsam schminkte ich mir die Idee ab, daß wir auch einmal auf ein Turnier gehen könnten - vorerst war das völlig undenkbar. So ganz langsam besserten sich immerhin die Probleme, ich war schon unheimlich froh, dass ich ihn irgendwann so weit hatte, dass er die anderen Pferde in der Halle nicht mehr angriff, was er in der ersten Zeit mit Fleiss getan hat. Er hat nicht gekickt, er versuchte sie zu beissen! Aus vollem Galopp stürzte er in ihre Richtung um sie zu packen. Vor allem seine Koppelfeinde. Niemand ritt gern mit mir in der Halle.
Die meiste Zeit bin ich sowieso draussen geritten. Wie herrlich, mit dem eigenen Pferd unterwegs zu sein und tun und lassen können wie man es gerne hätte. Allerdings hatte das Ganze einen grossen Haken. Je länger Taboun in dem Stall war, umso "dicker" wurde er und immer kräftiger und obendrein wusste er in nullkommanix alle Wege auswendig. Dafür wurden die Tage kürzer, aber das glich er durch wachsende Schnelligkeit aus. Von Woche zu Woche wurde er heftiger und eines Tages beschloss ich, dass es so nicht mehr weitergehen konnte und dass von Stund an im Gelände nur noch Schritt gehen angesagt war. Das waren wirklich harte Zeiten für Taboun und mich. Er wollte rennen und durfte nicht, auch vor dem Ausritt ablongieren brachte so recht keine Hilfe. An manchen Tagen ist er auf den Hinterbeinen zum Hof rausgelaufen und abends warteteder besorgte Stallbesitzer vor dem Hoftor ob wir wohl heil wieder zurück kommen würden. Es gab Stimmen, die meinten es läge am Hafer und wenn er erst einmal richtig aufgefüttert wäre würde es schon besser werden. Testhalber habe ich ihn auf ein haferfreies Futter umgestellt und tatsächlich wurde es besser. Nicht gerade berauschend, aber immerhin soviel, dass ich nicht mehr in Not geriet. Laufen wollte er und so fing ich an, an den Wochenenden lange lange Schrittausritte zu machen. Ganz einsam, denn die anderen Reiter auf dem Hof gingen allerhächstens einmal für eine Stunde raus. Aber eines Tages bekamen wir Gesellschaft, eine junge Frau mit ihrem Pony wollte auch schon immer einmal einen Wanderritt unternehmen und so trainierten wir die Pferde den ganzen Winter über zusammen und planten fürs Frühjahr unseren ersten Wanderritt in Hessen.

Burg Braunfels

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