Wie kam ich überhaupt zum Pferd??

Wahrscheinlich ist es irgendein rezessives Gen gewesen, das sich bei mir eingeschlichen hat. In meiner Familie hat man sich jahrelang Gedanken darüber gemacht: "Woher hat sie das nur?" So lange ich denken kann, wollte ich immer ein Pferd haben, zumindest reiten lernen. Aber bei uns in Leihgestern gab es zu meinen Kinderzeiten überhaupt keine Pferde, die Bauern sind mit ihren Kühen gefahren, so arm waren sie. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Irgendwann fand ich dann das Bild von meinem im Krieg gefallenen Onkel Karl zu Pferd. Das hatten sie mir immer wohlweislich verschwiegen.

Onkel Karl
Als ich dann älter wurde und sich mein Radius durch ein Fahrrad erheblich vergrösserte, war natürlich keine erreichbare Pferdekoppel mehr vor mir sicher, und ich habe stundenlange Gespräche mit den Pferden geführt. Und in der Nachbargemeinde gab es einen 'Ferien auf dem Bauernhof'-Hof, da konnte man für 5,- Mark ein Pony leihen. Ihr könnt Euch sicher denken, wie ich mein mageres Taschengeld zusammengekratzt habe. Bücher waren für mich nur lesenswert, wenn ein Pferd darin vorkam, und im Fernsehen war ich immer ganz wild auf Western – natürlich wegen der wunderschönen Pferde. Leider hatten meine Eltern gar nicht viel Geld und mussten obendrein auch noch ein Haus bauen, deshalb waren solche "Fürz" wie Reitstunden einfach nicht drin, nein, noch nicht einmal diskutabel. Es waren zum Glück nicht nur die Pferde, denen mein Herz gehört, sondern auch Hunde und Katzen und alles andere Viechzeug. Über ein heimlich eingeschlepptes und 4 Wochen im Schreibtisch gehaltenes Meerschwein kam ich dann irgendwann zu einem genehmigten Goldhamster, dann durfte ich sogar eine Katze anschleppen und eines Tages kam der Tag X: Ich durfte einen Hund haben! Mein Vater wollte für längere Zeit ins Ausland auf Montage, und das war die Gelegenheit, einen Hausbeschützer zu bekommen. So zog "Django" bei uns ein. Von Anfang an "mein Hund", der über 11 Jahre mein (mehr oder weniger) treuer Begleiter war. Was mich nicht hinderte, trotzdem immer von einem Pferd zu träumen.
Damals war ich 14 Jahre alt und der Hund der Spiegel meiner Seele – er war unglaublich freiheitswütig und immer auf Achse (sehr gern auch ohne mich). Wir haben zusammen ganz schön viel erlebt! Mit 18 bin ich im absoluten Krach von zu Hause ausgezogen, natürlich mit dem Hund. Und natürlich gleich zu meinem Freund, mit dem wir zusammen ein kleines Bauernhaus bezogen und einen Haufen Tiere um uns herum sammelten. Hunde, Katzen, eine Ziege, Wellensittiche, einen Nymphensittich, Fische – nur das Pferd fehlte nach wie vor, aber ich träumte immer noch.
Django
Reitabzeichen Prüfung

Nach der Ausbildung fing ich gleich an zu arbeiten und dachte immer wieder, ich würde doch wenigstens gerne einmal Reitstunden haben. An meinem 5. Dienstjubiläum sass ich da so mit meiner Freundin im Labor, da fiel es mir wieder ein. Verflixt, sagte ich, jetzt arbeite ich schon so lange, verdiene mein eigenes Geld und kann immer noch nicht reiten! Es stellte sich heraus, dass es Karola genauso ging – schon immer hatte sie von Pferden geträumt, und so gingen wir das Problem gemeinsam an. Suchten eine Reitschule und trabten von Stund an einmal in der Woche zum Reitunterricht.

Das erste, was wir lernten, war stürzen, ohne sich weh zu tun. Nach dem Winter waren wir darin schon ziemlich fit, mit dem Reiten haperte es noch etwas. Jahrelang übten wir so simple Sachen wie "nicht auf den Reitlehrer stürzen", dann machte eines Tages die Reitschule zu, und wir hörten erst einmal auf. Eines Tages traf ich einen Bekannten aus der besagten Reitschule, der hatte schon länger ein eigenes Pferd, war dann auch dort weggezogen, und in seinem Stall war eine Frau, die dringend eine Reitbeteiligung suchte. Na, und das war dann ich. Mit der Grandel fing ich dann richtig an zu reiten. Bin mit ihr durchs Gelände geschüsselt, habe richtig viel Reitstunden genommen und auch mit ihr das kleine Reitabzeichen gemacht.

In der Zwischenzeit war viel geschehen, Trennungen von Menschen und Tieren – was mich nie verlassen hatte, war meine Reiseleidenschaft. Und so zog es mich eines schönen Tages auf eine Reittour nach Tunesien, und da befiel sie mich dann. Die Arabitis. Dort in Tunesien lernte ich dann auch meinen Taboun kennen, aber das ist eine ganz eigene, richtig lange Geschichte...

weiter zu Tabouns Geschichte
zurück zur Hauptseite
Impressum